Bert Hellinger

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Bert Hellinger wurde 1925 geboren und hat Philosophie, Theologie und Pädagogik studiert. Er war Priester und Schulleiter - u.a. in Südafrika und der Schweiz.

Er studierte alle bedeutsamen Therapiesysteme und entwickelte schließlich eine eigene System- und Familientherapie, das Familienstellen. Er ist Autor sehr erfolgreicher und auflagenstarker Bücher, DVD? ec. Bert Hellingers Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass es in Familien und Sippen eine ursprüngliche Ordnung gibt. Diese ursprüngliche Ordnung wirkt systemisch, d.h. überpersönlich und unabhängig von dem, was die Familienmitglieder wollen. Es ist ein Zusammenschluss, der die Mitglieder einer Familie über Generationen miteinander verbindet, ungeachtet der Gefühle, die sie für einander haben oder zu haben glauben. Es gibt bei Mitgliedern einer Sippe eine Art von Gefühlen, die mit den persönlichen Erfahrungen der Betroffenen nichts zu tun haben. Dies sind übernommene Gefühle von Mitgliedern einer Herkunftsfamilie, die man gekannt hat, aber auch von solchen, denen man nie begegnet ist. Oftmals sind diese Wirkungen unheilvoll und krankmachend. Durch Sichtbarmachung und Bewusstwerdung dieser Verstrickungen kann Heil entstehen.

Der Tod ist der Grenzstein des Lebens, aber nicht der Liebe:

Was vom Leben bleibt: Die als Weihnachtsmänner maskierten Erwachsenen benehmen sich (als zukünftige Tote und bereits Initiierte) ebenfalls wie die Toten, sofern sie die Kinder, die nunmehr ihren Platz bei den (noch lange, also überschüssig) Lebenden finden, in dem Glauben lassen, dass ihre Süßigkeiten und „Spielsachen aus dem Jenseits kommen“. Die Erwachsenen verkörpern freilich die großzügigen, die verschwenderischen Toten, die die Kinder mit Geschenken überschütten, ihre Lebendigkeit, ja die „Süße des Lebens“ preisen, und nur geben, ohne zu nehmen.

Nicht die Ordnungen der Liebe einhalten, in dem verleugnet, verschwiegen oder von Kindern das verletzte Herz der Eltern unrechtmäßig zur Heilung gezwungen/ erwartet wird sind die bekanntesten krankmachenden Verhaltensmuster innerhalb einer Familie. Bei Frauen ohne anderen med. Krankheitsbefund: Ein Kind nicht empfangen, nicht halten zu können, Sex nicht zulassen und nicht genießen zu können, Depressionen, extreme monatliche Blutungen/ Schmerzen, beständig auf die Verwendung von Verhütungsmittel zu vergessen oder diese unwirksam anzuwenden, pausenlos Schwanger werden und diese Schwangerschaft gezielt bewußt Abbrechen, deuten hin auf zumindest ein im Familiensystem verleugnetes, tot geschwiegenes Kind, das um seiner selbst Willen beachten und Wertgeschätzt werden will.

Mitglieder einer Familie sind auch alle lebend und still = tot geborenen Kinder, die man durch Embryomodelle, kleine Füsse oder Hände z.B. als Anstecker sichtbar machen, Ihnen einen Namen, sie willkommen heißen, sie im Todesfall verabschieden und solcher Art ganz ohne Begräbnis oder Jahrzehnte nach dem Tod in der Familie integrieren kann.

Eine andere Art krankmaches Verhalten, ist sich selbst und anderen nicht verzeihen zu können. Dabei sind wir zum lernen auf die Erde in diese Familie gekommen. Zum Lernprozeß gehört es, Fehler zu machen. Mag sein, das der andere uns nicht verzeihen kann. Wichtig ist: das wir uns selbst verzeihen können, denn wir können immer nur uns selbst verändern.

Selbst erlebt: wer sich selbst verzeiht, schafft den Boden dafür, das andere im Familiensystem sich selbst und anderen verzeihen können. Offen wird darüber vielleicht nicht immer geredet, aber auf der Gefühlsebene wird die Veränderung wahrgenommen.

Das letzte Wort hat die Liebe

„Ein Volk wird daran gemessen, wie es seine Toten bestattet“, postulierte Perikles 430 Jahre vor Christus in seiner Trostrede.

Weitere Info in Bezug auf Kinder, welche während ihrer Schwangerschaft, Geburt und kurz danach starben finden Sie auf sternenkind.info

Eine mehrsprachige Auswahl Bert Hellingers Bücher und DVS's finden Sie hier

Würdigung vor Liebe

Im Buch Ordnungen der Liebe von Bert Hellinger steht:

Die Würdigung geht der Liebe vorraus.

Opfer = Rache

Im Buch Ordnungen der Liebe von Bert Hellinger steht:

Die Opferform ist die raffinierteste Form der Rache.

Ordnungen der intimen Liebe

ich bin mit folgenden Worten nicht einverstanden:

Im Buch Ordnungen der Liebe steht auf Seite 46:

Der Rang des Intimen

Ein Kind darf niemals wissen, was zur Paarbeziehung der Eltern gehört. Das geht das Kind nichts an. Was in einer Paarbeziehung gehört, das geht auch andere niemals etwas an. Wenn jemand aus seiner intimen Beziehung anderen etwas offenbart, ist das ein Vertrauensbruch mit schlimmen Folgen. Es bricht die Beziehung. Das darf nur  denen gehören, die diese Beziehung eingegangen sind. Das Intime muss für Außenstehende immer ein Geheimnis bleiben. Zum Beispiel darf ein Mann seiner zweiten Frau nichts erzählen von seiner ersten Frau, was die intime Beziehung betrifft. Alles, was zur Paarbeziehung gehört, bleibt zwischen Mann und Frau ein gehütetes Geheimnis. Wenn Eltern den Kindern etwas davon sagen, ist das für die Kinder ganz schlimm. Wenn es zum Beispiel eine Abtreibung gab, geht das - lt. Herrn Hellinger - die Kinder nichts an. Das gehört zur intimen Beziehung der Eltern. Auch gegenüber einen Therapeuten gegenüber darf man nur so darüber reden, dass der Partner geschützt bleibt. Sonst bricht die Beziehung.

Meine Gedanken dazu:
Kinder leben im Familienverband, bekommen daher den Beginn einer weiteren Schwangerschaft der Mutter intuitiv von Anfang an mit - beginnend bei den hormonell bedingten körperlichen sowie den für Schwangere typische Verhaltensveränderungen.

Die Liebe zum ungeborenen Kind beginnt für viele Frauen vor, während oder kurz nach der Empfängnis dieses Kindes - bei Männern beginnt die Liebe zum ungeborenen Kind vor, während oder kurz nach der Zeugung dieses Kindes, sofern die Frau diesem Mann mitgeteilt hat, das Sie ein Kind vom ihm (eigenen Vermutungen zu folge oder weil die Frau einen Schwangerschaftstest gemacht hat, der ein positives Ergebnis angezeigt hat) empfangen hat.

Sensitiv veranlagte Männer nehmen wie die Kinder wahr die hormonell Bedingten körperlichen Veränderungen sowie den für Schwangere typische Verhaltensänderung, z.B. die Morgendliche Übelkeit, das Gerüche stärker von den Frauen wahrgenommen werden, Gelüste sich verändern usw.

Aus Liebe zum Kind (und sich selbst) kann Mann wie Frau sich gegen das Austragen dieses Kindes sich entscheiden. Über dieses Kind muss innerhalb der Familie gesprochen werden, erst recht, wenn ein Elternteil das Kind voll Freude erwartet hat und den anderen dieses Kind von Zeugung an gestört hat.

Der Entscheidungsträger, ob ein Kind empfangen wird, ist die Frau. Ob Sie dieses Kind austragen möchte, ist die Frau. Ob die Frau ihr Kind nach der Geburt zur Adoption freigeben möchte, ist Entscheidung der Frau, wobei der Mann das Recht hat, dieses zur Adoption freigegebene Kind ab der lebend erfolgten Geburt vorrangig vor anderen zu übernehmen.

Begrüßenswert ist, wenn Väter sich zum ungeborenen Kind bekennen, in dem Sie sich in den (Österreich) Mutter - Kind - Pass eintragen. Ein Vaterschaftstest gleich im Anschluss der lebend oder still erfolgten Geburt sollte Pflicht werden, denn Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Erwachsene sollten gegenüber Kindern eines niemals tun: ein Kind um die Meinung zu fragen: würdest du an meiner Stelle dieses Kind austragen oder nicht austragen?

ich schrieb meine Gedanken an Bert Hellinger. Seine Reaktion auf mein Schreiben:
Von: Bert Hellinger <bert(at)hellinger.com>
An: fenia@sonnenstrahl.org
Betreff: Re: Bezüglich gewaltsamen Tod, z.B. wenn eine Schwangerschaft abgebrochen wird
Datum: 2010-06-24 08:57:52

Sehr geehrte Frau Tegenthoff,

danke für Ihre Email. Früher dachte ich, dass man Kindern von einem Schwangerschaftsabbruch nichts sagen sollte. Inzwischen bin auch ich eines Besseren belehrt worden und stimme Ihnen zu. Die Kinder wissen eh in ihrer Seele, dass jemand fehlt.

Mit freundlichen Grüßen Bert Hellinger

wenn Partner sich trennen

Im Buch Ordnungen der Liebe steht:

Wenn etwas schief geht zwischen den Eltern, suchen die Kinder bei sich die Schuld. Lieber wollen sie schuld sein, als dass sie den Eltern die Schuld dafür geben. Dann ist es sehr entlastend für die Kinder, wenn die Eltern Ihnen sagen: Wir als Paar haben uns entschieden, dass wir uns trennen. Doch wir bleiben deine/eure Eltern, und du bleibt unser geliebtes Kind/ ihr bleibt unsere lieben Kinder.

Für die Zeit nach der Ehescheidung/ Auflösung der Partnerschaft sollten die Kinder zukünftig bei jenem Elternteil leben, der in den Kindern den anderen Partner am meisten achtet, wertschätzt und respektiert. Das bietet die beste Basis dafür, damit das angeschlagene Selbstwertgefühl in den Kindern sich erholen und ausheilen kann.

frei werden

Im Buch Ordnungen der Liebe von Bert Hellinger steht:
Wichtig ist in jedem Fall bei einem toten Kind der Satz:

„Liebe/r - Name des Kindes – du bist tot, ich lebe noch ein bisschen. Dann sterbe ich auch.“

Das ist der lösende Satz, den auch überlebende Geschwisterkinder oder belastete Nachfolgekinder sagen sollten oder die Großeltern, eben überall dort, wo es die Generationsumkehr gibt. In diesem Satz ist Ausgleich drinnen und trotzdem Freiheit. Und in diesem Satz ist Demut drin. Die bis dahin vorhandene Überheblichkeit hört auf. Die Angehörigen werden solidarisch mit dem verstorbenen Kind und leben fortan unbeschwerter.

Meine Empfehlung: Bei Bedarf wiederholen Sie für sich diese Aussage mehrfach, bis das Gesagte für Sie inhaltlich mit dem Gefühl übereinstimmt. Auftauchende Schuldgefühle werden ev. wie ein Kloß kommen und durch erlösendes weinen aufgelöst.

Der erwähnte Satz ist eingebaut in folgende Mediation, welche für Angehörige verstorbener Kinder von Ingrid Auer entworfen und geschrieben wurde.

Wer gehört zum Familiensystem?

Im Buch Ordnungen der Liebe steht auf Seite 103:

Wer gehört zum Familiensystem?

System meint hier eine Schicksalsgemeinschaft von Menschen über mehrere Generationen hinweg, deren Mitglieder unbewußt in das Schicksal anderer Mitglieder verstrickt werden können. Man erkennt die reichweite dieses Systems an der reichweite der Schicksale, die zu Verstrickungen führen. Zu dieser Schicksalsgemeinsachaft gehören in der Regel folgende Person

  • Das Kind und seine Geschister oder Halbgeschwister, auch die verstorbenen und die Totgeborenen. das ist die untere Ebene.
  • Dann auf der nächsthöheren Eben , kommen die Eltern und ihre Geschwister oder Halbgeschwister, einschließlich der früh verstorbenen und tot geborenen.
  • Danach, nochmals eine Ebene höher, kommen die Großeltern und manchesmal noch das eine oder andere ihrer Geschwister oder Halbgeschwister. Das ist aber selten.
  • Manchmal gehören noch der eine oder andere der Urgroßeltern dazu. Auch das ist selten.

Von den bisher Genannten sind jene besonders wichtig, die ein schlimmes Schicksal hatten oder denen von Mitgliedern des Systems unrecht getan wurde, zum Beispiel beim Erbe, oder die ausgeschlossen wurden oder weggegeben, verachtet oder vergessen.

  • Dann folgen - und das sind oft die wichtigsten Personen - alle, die für andere in diesem System Platz gemacht haben, auch wenn Sie nicht verwandt sind. Zum Beispiel ein früherer Mann oder eine frühere Frau von Eltern und Großeltern oder frühere Verlobte, auch wenn sie nicht verstorben sind. Und es gehört der Vater oder die Mutter der Halbgeschwister dazu. Ferne alle, aus deren Nachteil oder Verlust jemand im System einen Vorteil zog. Ein Beispiel ist, dass jemand etwas geerbt hat, weil ein anderer früh verstarb oder enterbt wurde.
  • Und es gehören dazu alle, die für jemanden im System zu seinem Vorteil mitgewirkt haben und den dann Unrecht geschah, Zum Beispiel Angestellten. Es muß sich dabei aber um großen Nachteil und großes Unrecht handeln.

Nicht zum System in diesem Sinn gehören angeheiratete Onkel und Tanten oder Vettern und Cousinen.

Manche meinen, Personen seine besonders wichtig für das System, wenn sie in der Familie mitgelebt haben, zum Beispiel eine Großmutter oder Tante. Bei Verstrickungen aber spielt die Röumliche Nähe keine Rolle. Im Gegenteil: jemand wird oft in das Schicksal von jemanden verstrickt, von dem er nicht einmal weiß.

was zur Sucht führt

Im Buch Ordnungen der Liebe steht auf Seite 116 + 117:

Was zur Sucht führt

H: Jemand wird süchtig, wenn ihm die Mutter gesagt hat:"Was vom Vater kommt, taugt nichts. Nimm nur von mir." Dann rächt sich das Kind an der Mutter und nimmt so viel von ihr, dass es ihm schadet. Die Sucht ist also die rache des Kindes an seiner Mutter, weil sie es hindert, vom Vater zu nehmen.

H: Du könntest dem Mann erklären, wie die Sucht entsteht. Dann bekommt er einen anderen Blick. Und du könnstest dem Mann sagen, dass es dem Kind gut geht, wenn er in ihm die Mutter des Kindes achtet und liebt.

Eltern nicht vermisst

Im Buch Ordnungen der Liebe steht auf Seite 117:

Ein Mann berichtet: mein Vater ist 5 Wochen vor meiner Geburt im Krieg gefallen und ich habe ihn nicht vermisst. Warum?

Bert Hellinger antwortet: Es kann sein, das Du ihn nicht vermisst hast, weil deine Mutter deinen Vater sehr geliebt und geachtet hat." Der Betroffene berichtet: "Ja, das hat sie gemacht."

die Liebe wird alles zum Guten wenden

Im Buch Ordnungen der Liebe steht auf Seite 114:

Über Paulus gibt es einen Bericht in der Apostelgeschichte. Als er in Jerusalem vor Gericht stand, sagte ein gewisser Hohepriester mit dem Namen Gamaliel:

"Wenn die Sache von Gott ist, kann sie niemand aufhalten. Und wenn sie nicht von Gott ist, zerbricht sie von selbst, und ihr braucht nichts dazu zu tun."

 

 

über die Rangordung

Im Buch Ordnungen der Liebe von Bert Hellinger steht auf Seite 45: Ich möchte etwas sagen zur Rangordnung, vor allem über die Ursprungsordnung. Jede Gruppe hat eine Rangordnung, die sich aus dem zeitpunkt des Anfangs der Zugehörigkeit ergibt. Das heißt, jemand der früher in die Gruppe kam, hat Vorrang vor dem, der später hinzukommt. Das gilt in Familien und das gilt in Organisationen.

 

Die Rangfolge in der Familie

Wo immer es in Familien einen tragischen Verlauf gibt, hat ein Nachgeorneter gegen die Ursprungsordnung verstoßen. Das heißt, er hat sich etwas angemaßt, was Vorgeordnetetn vorbehalten bleiben muss. Die Amaßung ist oft nur objektiv, nicht subjektiv.

Wenn zum Beispiel das Kind versucht, für seine Eltern zu sühnen oder die Folgen einer Schuld der Eltern an deren Stelle zu tragen, dann ist das eine Anamßung. Doch das Kind merkt die Anmaßung nict, weil es aus Liebe handelt. Es hört im Gewissen keine Stimme, die es davor warnt. Deswegen sind tragische Helden alle blind. Sie meinen, sie tun etwas Gutes und Großes. Dennoch schützt sie diese Überzeugung nicht vor dem Untergang. Die Berufung auf die gute Absicht oder das gute Gewissen, wenn sie - meist nachträglich - ins Spiel gebracht wird, ändert nichts am Ergebnis und an den Folgen.

Das Kind kann sich gegen die Anmaßung nicht wehren, denn es wird durch seine Liebe in bester Absicht in die Anmaßung getrieben. Erst im Erwachsenenalter, wenn es zur Einsicht kommt, kann es sich aus den Fesseln der Anmaßung befreien und auf den Paltz zurücktreten, der ihm zukommt. Dieses Sichherausnehmen aus der angemaßten Position fällt dem Kind aber schwer, weil es dann plötzlich auf nichts anderem mehr stehen kann als auf eigenen Füßen. Es muß dann ganz unten anfangen und nur auf das Eigene bauen. Doch auf diesem Platz bleibt es gesammelt bei sich. Auf dem angemaßten Platz gerät es außer sich und ist von sich selber entfremdet.

In der Familientherapie achten man daher vor allem darauf, ob sich jemand etwas anmaßt, was ihm nicht zusteht. Das - in erste Linie - bringt man in Ordnung.

über die Rangfolge

Im Buch Ordnungen der Liebe steht auf Seite 48 über die Rangfolge:

In Organisationen gibt es neben der Ursprungsordnung auch eine Rangordnung nach der Funktion und nach der Leistung. Zum Beispiel hat die Verwaltung Vorrang vor anderen Abteilungen; sie sichert nach außen. Deswegen hat sie Vorrang, ähnlich wie in der Familie der Mann vor der Frau.

In einer Klinik zum Beispiel steht der Verwalter neben dem Chef. er ist die rechte Hand. Die Funktion des Chefs und der Verwaltung bildet die Grundlage für alles andere in der Organisation. Danach erst kommen die Ärzte, obwohl sie vom Ziel der Klinik her als die wichtigeste Gruppe erscheinen, ähnlich wie vom Ziel der Familie her die Frau wichtiger erscheint als der Mann. Die Ärzte also sind die nächst wichtige Gruppe. Dann folgen die Krankenschwestern, wieder als eine eigene Gruppe, dann das Hilfspersonal, zum Beispiel die Küche, auch als eigene Gruppe. Unter diesen Gruppen gibt es also eine Rangordnung nach ihrer Funktion.

Innerhalb dieser Gruppe gilt dann unter den Teilnehmern neben der Rangordnung nach ihrer Funktion die Rangfolge gemäß der Ursprungsordnung. Wer also unter den Ärzten zeitlich früher in die Gruppe kam, hat Vorrang vor den später Hinzugekommenen. Danach, wer als zweiter kam usw. Diese Rangordnung hat nichts zu tun mit seiner Funktion. Sie richtet sich nur nach der Dauer der Zugehörigkeit.

Wenn in so einer Gruppe ein neuer Chef des anderen vorgesetzt wird, einer der vorher nicht in dieser Gruppe war, dann hat er von der Ursprungsordnung her den letzten Rang in der Gruppe, obwohl er jetzt der Chef ist.

Er muß als diese Gruppe führen, als sei er von diesem Rang her der letzte; er kann das aber elciht, wenn er seine Funktion als Dienstleister für die Gruppe versteht. Die Führung aus der letzten Position heraus ist besonders effektiv, vorausgesetzt, ein solcher Chef weiß, wie das geht.

Wer aus der Position des Letzten führt, gewinnt alle für sich, weil er die Rangordnung achtet. Er muß also so vorne stehen und führen, als sei er der letzte. Manchmal gibt es eine Rangfolge gemäß der Ursprungsordnung auch zwischen den Abteilungen und Gruppen. Wenn in einer Klinik zum Beispiel eine neue Abteilung hinzukommt, kommt sie im rang nach den früheren, außer sie gewinnt eine Bedeutung, die frühere Abteilungen von ihr abhängig macht.

Teilnehmerin: Kann aber ein solcher Chef jemanden entlassen, der im rang höher steht, weil er früher da war?

Bert Hellinger: Wenn der Chef ihn zu Unrecht entläßt, ist die Gruppe verunsichert und löst sich nach einiger Zeit auf. Wenn er aber entläßt, weil der sich etwas hat zu Schulden kommen lassen, dann ist das in ordnung. Wenn der andere seine Pflicht verletzt hat oder wenn er inkompetent ist, kann er auch in seiner Funktion zurückgestuft werden. er verliert aber dadurch nicht seinen Rang gemäß der Ursprungsordnung. Das sind zwei verschiedene Bereiche. Also die Funktion ist der Bereich, und die Ursprungsordnung ist der andere.

Eine Organisation wird gesprengt, wenn sich eine nachgeordnete Gruppe etwas anmaßt, was einer vorgeordneten zukommt, zum Beispiel wenn die Verwaltung den Chef beherrschen will, statt ihm zu diesen. oder wenn innerhalb einer Untergruppe ein Nachgeordneter sich etwas anmaßt, was einem Vorgeordneten zukommt. Es gibt natürlich unter den Mitgliedern der Gruppen das Gerangel um die höhere Position, Um die Führungsposition. Das macht nichts, wenn sich der Anspruch auf Kompetenz und Leistung für die Gruppe gründet, gleichzeitig aber die andere Rangordnung geachtet wird. Das ist dann zu vergleichen mit dem Kampf der Hirsche um die Kühe. Allerdings bleiben, wenn der Platzhirsch geht, die Kühe. das sieht man dann auch in organisationen. Auch wenn der Platzhirsch geht und ihn ein anderer verdrängt, die Kühe bleiben. Ich will das hier nicht näher erläutern, aber wenn jemand hinschaut, kann er es sehen.

Kinderlos nach Fehlgeburt

Im Buch Ordnungen der Liebe steht auf Seite 52/ 53:

Ich heiße Rachel, und es geht um das Problem der Kinderlosigkeit. Mein Mann und ich wünschen uns Kinder, bekommen aber keine.

He: War jemand von euch, du oder dein Mann, schon vorher verheiratet oder in fester Bindung?

Rachel: Ich war in relativ fester Bindung.

H: Und wieso ist das auseinandergegangen?

Rachel: Wir haben uns nicht mehr verstanden.

H: Wieso nicht?

Rachel: Wegen einer Fehlgeburt. Danach verstanden wir uns nicht mehr.

H: Gab es da einen Vorwurf?

Rachel: Nein.

H: Wie stand er zu dem Kind?

Rachel: Er wollte es haben.

H: Und du?

 

Rachel: Ich war mir damals noch nicht sicher.

H: Vielleicht schuldest du etwas dem Kind. Schau mal mit offenen Augen nach vorne, bis du es vor die siehst. Wie weit weg ist es?

Rachel: In Sichtweite.

H: Schaue in die Richtung, und lass es näher kommen. Wie weit ist es jetzt? Öffne die Arme, und nimm es an dein herz. Langsam, ganz langsam; ans Herz. Schau es an und sag: "Mein liebes Kind."

Rachel: Mein liebes Kind.

H: Sag es noch einmal, bis die Liebe fließt: "Mein liebes Kind."

Rachel: "Mein liebes Kind."

H: Wiederhole es, bis es stimmt: "Mein liebes Kind."

Rachel: Mein liebes Kind. Mein liebes Kind.

H: tief ein- und ausatmen. So. Und sag: "Mein liebes Kind."

Rachel: Mein liebes Kind.

H: Das ist es jetzt. Sag es ganz schlicht: "Mein liebes Kind."

Rachel: Mein liebes Kind.

H: Und jetzt schau deinen Mann an. Okay, das war's.

blinder Zwang

Im Buch Ordnungen der Liebe steht auf Seite 61:

Weil der Bruder lebt, fühkt er sich schuldig gegenüner der kleinen Schwester, die tot ist. Er hat den Vorteil, die Schwester hat den nachteil. Das ist seine Vorstellung. Wenn es so ein Gefälle gibt, dann nimmt der, der den Vorteil hat, nicht das, was er haben könnte, um auszugleichen. Er nimmt also sein leben nicht und nimmt auch seine Frau nicht, weil er mit seiner kleinen Schwester den Ausgleich will. Das ist eine blinde Reaktion. Sie wirkt wie ein Zwang, dem keiner widerstehen kann. Dahinter wirkt auch der magische Glaube, dass es seiner schwester besser geht, wenn es ihm schlecht geht, und dass sie lebt, wenn er stirbt.

Dafür gibt es eine Lösung auf höherer Ebene. Wir können den blinden Zwang zum Ausgleich überwinden durch eine höhere Ordnung, und das ist eine Ordnung der Liebe. Nicht allein durch die Liebe, denn auch der Zwang zum Ausgleich ist Liebe, sondern auf einer höheren Ebene durch eine höhere Ordnung der Liebe, in der wir sowohl das eigene Schicksal als auch das Schicksal der anderen geliebten Person als voneinander unabhängig anerkennen und uns beide demütig fügen.

Der Lösungssatz: "Liebe (Name des verstorbenen Kindes), Du bist tot, ich lebe noch ein Weilchen/ eine Zeit lang, dann sterbe ich auch."

Zeige einem Verstorbenen deine Welt

In Anlehnung an den Text aus dem Buch Ordnungen der Liebe, Seite 62:

Überlebende zeigen den Vorausgegangen für ein Jahr oder länger "Ihre" Welt.

Ausgehend vom Alter des Kindes, in welchem das Kind gestorben ist - oder ausgehend von dem Alter da dieses verstorbene Kind sich aktuell befinden würde - macht man mit diesem Kind all das, was man (wenn es heute noch leben würde) auch dem aktuellen Alter entsprechend getan hätte. Ganz wichtig: in dieser zeit immer wieder von herz zu Herz mit seinem Kind über das gerade gemeinsam erlebte reden (also stumm in sich hinein, denn wer laut mit seinem verstorbenen Familienmitglied reden, heißt es voller Verurteilung rasch, das der- oder diejenige Selbstgespräche führt - und das gilt in vielen Kulturen als auch Gesellschaftskreisen als "non - okay". Die sogenannten "imaginären" Freunde = also unsichtbare Freunde werden Kindern bis zu deren ca 8. oder 9. Lebensjahr zugestanden.

Ist das Kind vor seinem ca 3. Lebensjahr oder gar im Mutterleib verstorben, nimmt man z.B. eine Puppe, einem Teddybären, ...packt diesen liebevoll in einen Wickelpolster und anschließend in einen Rucksack...und geht solcher Art ausgerüstet jene Wege ab, die man dem kindlichen Alter entsprechend auch jetzt gehen würde, etwa zu See, bei dem man so herrlich die Schwäne füttern kann, die Katze (des Nachbarn) streicheln, auf einen Kinderspielplatz, in die Kinderabteilung eines Kaufhauses (um die Athmosphäre aufzunehmen, in der Regel ohne etwas zu kaufen) ... 

Mit Kindern im Kindergarten- und Volksschulalter ist es der Bauernhof, die unterschiedlichsten Zoo-, Terrarien-, Aquarien- ec. besuche, die ersten kindgerechten Museen, der weg zum Kindergarten und zur Volksschule (alles Orte, wo ihr Kind - würde es noch leben - vorraussichtlich hingegangen wäre. usw.

Wenn einem danach ist, kann man an solchen Tagen auch z.B. die Urgroßmutter im Altersheim besuchen gehen und so der Alten Dame versuchen, es begreifbar und nachvollziehbar zu machen, das die Enkelkinder ihrer Großmutter versuchen nahe zu bringen, das sie Urgroßmutter geworden ist - von einem Kind, das leider früh vorausgegangen ist.

"Mein Bruder ist nicht gestorben, sondern nur mir vorausgegangen" , korrigierte mich mein damals 8 jährer Sohn, nachdem sein kleines Brüderchen ca 10 Monate zuvor den Weg allen Lebens gegangen war.

In manchen Familien hat es sich bewährt, den Geburtstag des verstorbenen Kindes bewußt zu feiern und daraus - bei gleichen Vorbereitungen - einen gemeinsam verbrachten Tag der Erinnerung zu gestalten. Dazu kann man auch gemeinsam auf den Friedhof und anschließend gemeinsam z.B. in die Eisdiele gehen.

Andere Familien gehen am Todestag bewußt gemeinsam auf den Friedhof und halten am Grab mit dem Verstorbenen eine Vesper ab.

Anderen ist es ein Bedürfnis, am Todestag (oder 40 Tage nach dem Begräbnis) einen Gedenkgottesdienst gemeinsam zu gestalten.

wertvoll erleben Angehörige auch die Teilnahme an internationalen Gedenktagen wie den "Pregnancy and Infant Loss Remembrance Day" Mitte Oktober und am 2. Sonntag im Dezember den worldwide_candle_lighting.sternenkind.info . Daran angelehnt gibt es zahlreiche vergleichbare Veranstaltungen zu anderen Terminen.

 

Der Ausgleich durch Würdigung

Im Buch Ordnungen der Liebe von Bert Hellinger steht:

Ich habe die ganze Zeit, in der ich an mir arbeite, eine Person vergessen zu würdigen. Das ist meine Schwester.

H: Was ist mit ihr?

Ida: Sie ist die Älteste. Sie hat mir den Weg zur Mutter versperrt, und ich habe die ganze Zeit nur das Negative gesehen. Natürlich war auch Negatives da, aber sie hat mir sehr viel gegeben, und ich verdanke ihr sehr viel.

H: So etwas kann man sogar öffentlich sagen.

Isa: Ich hatte immer das Verlangen, ihr was Gutes zu tun, aber das hat nicht hingehauen.

H: Das geht auch so nicht. Das einzige, was man in einer solchen Situation tun kann und muss, ist das Würdigen. Das ist zuerst ein innerer Vorgang, und dann kann man es auch sagen, zum Beispiel im Sinne von: " Ich weiß, was Du mir gegeben hast, ich achte es, und es begleitet mich." Das ist das Höchste, was man tun kann. Das ist viel mehr, als wenn man auszugleichen versucht durch Geben.

über Familiensysteme

Im Buch Ordnungen der Liebe von Bert Hellinger steht:

Das Sein wird durch die Zeit definiert und bekommt seinen Rang durch die Zeit. Es wird strukturiert durch die Zeit. Wer zuerst in einem System war, hat Vorrang vor dem, der später kommt. Oder auch was in einem System zuerst da war, hat Vorrang vor dem, was später kommt. Daher haben Erstgeborene Vorrang vor dem Zweitgeborenen, und die Paarbeziehung hat Vorrang vor dem Elternsein. Das gilt innerhalb eines Familiensystem.

Doch auch die Systeme haben unter sich eine Rangfolge, und da ist sie umgekehrt. Das neue System hat Vorrang vor dem alten System. Zum Beispiel hat die Gegenwartsfamilie Vorrang vor der Ursprungsfamilie. 

Wo das umgekehrt wird, geht es schief.

Gibt es in der Bewertung einen Unterschied zwischen gesunden und krankmachenden Systemen?

Bert Hellinger: Nein, diese Art von Unterscheidung geht nicht. In der Gegenwart hat das erste System, also die erste Bindung, die eine/r eingeht, Vorrang vor der zweiten, unabhängig davon, welche Qualität die erste hatte. Das heißt, die zweite Beziehung bindet weniger als die erste.

Die Teife der Bindung nimmt also von beziehung zu Beziehung ab. Bindung heißt aber nicht Liebe. Es kann sein, dass in einer zweiten beziehung die Liebe größer ist, aber die Bindung geringer ist. Die Tiefe einer Bindung kann man daran ablesen, wie groß die Schuld ist, die einer empfindet, wenn er sich löst. Wenn jemand sich von einer zweiten Bindung löst, fühlt er die Schuld geringer als bei der ersten.

sich (stellvertretend) schuldig fühlen

Im Buch Ordnungen der Liebe von Bert Hellinger steht auf Seite 66:

Die anerkannte persönliche Schuld als Quelle von Kraft

Hartmut erzählt: Mich hat im Anschluß an Roberts Aufstellung und seiner Trauer für seine früh verstorbene Schwester das Problem der Schuldübernahme beschäftigt. Mir ist dann gekommen, dass ich mich mein leben lang so programiere, dass ich Schuld abtrage und auch einen christlichen Überbau dafür gefunden habe.

Bert Hellinger: Wer den christlichen Überbau hat, der muss Schuld abtragen, oder er meint, er müßte. Und was noch schlimmer ist, er meint auch, er könnte das.

Wenn jemand eine persönliche Schuld hat, dann ist die Schuld eine Quelle der Kraft, wenn er dazu steht. Sobald einer zu seiner Schuld steht, hat er auch keine Schuldgefühle. Schuldgefühle stellen sich ein, wenn einer eine Schuld verdrängt oder nicht wahrhaben will.

Wer zu seiner Schuld steht, hat Kraft. Sie zeigt sich als Kraft. Wer seine Schuld verleugnet und sich vor ihren Folgen drückt, der hat Schuldgefühle und ist schwach. Die Schuld, die einer hat, macht ihn fähig, gute Dinge zu tun, zu denen er vorher nicht die Kraft gehabt hätte; aber nur, wenn er zu der Schuld steht.

Wenn aber einer für einen anderen die Schuld und die Folgen der Schuld übernimmt, macht ihn das schwach. Er ist dann nicht fähig, mit dieser Schuld etwas gutes zu tun. Im Gegenteil, er richtet Schlimmes damit an. Er macht auch den anderen schwach, denn wenn er für einen anderen die Schuld übernimmt, dann nimmt er ihm auch die Kraft, mit dieser Schuld etwas gutes zu tun.

Die stellvertretende Schuldübernahme hat also in jeder Hinsicht eine schlimme Wirkung. Daher müßtest Du deiner Mutter sagen: "Was immer die Schuld war zwischen dir und deinem Vater, ich achte euch als meine Eltern. Ich nehme, was ihr mir gegeben habt, und jetzt lasse ich euch in Frieden." Dann läßt du die Schuld und ihre Folgen bei deinen Eltern. In dem Augenblickwirkt es auf deine Eltern zurück, selbst wenn du es nicht aussprichst. Sie müssen sich der Schuld und ihrer Folgen stellen, und du bist frei, dich deiner Schuld zu stellen. Habe ich das verdeutlicht?

Hartmud: Es ist klart.

Bert Hellinger: Irgendwelche Fragen dazu?

Claudia: Ich habe das noch nicht ganz begriffen. Wenn erner für einen anderen die Schuld übernimmt, dann macht er sich schwach.

Bert hellinger: Dann macht er den anderen schwach und sich selbst.

Claudia: Den anderen schwach machen, das habe ich begriffen, und sich selbst?

Bert Hellinger: Auch. Die übernommene Schuld macht immer schwach. Wer anderen das Kreuz trägt, der hat keine Kraft zum Guten. Wenn einer aber sein eigenes Kreuz trägt und seine Schuld und sein Schicksal, dann macht es ihn stark. Er trägt es erhobenen Hauptes, und er hat die Kraft, damit etwas Großes zu tun.

noch ein Beispiel: Das Gesicht für den Vater wahren

Bert hellinger: Eine Frau hatte die Vorstellung, sie müßte ihr Gesicht wahren, und die Angst, sie könnte ihr Gesicht verlieren. Sie hat es äußerlich zu wahren versucht, zum Beispiel durch unterschiedliche Frisuren.

Ihr Vater war, so vermutet sie, ein Kriegsverbrecher gewesen. Er also müßte die Angst haben, sein gesicht zu verlieren, und er müßte es zu wahren suchen. Ich habe ihr dann als Lösung vorgeschlagen, sie solle sich vorstellen, als Kind neben ihrem Vater zu gehen und zu ihm hochzuschauen und zu sagen: "Lieber Vater, ich wahre es für Dich." Das ist nämlich genau das, was sie macht. Aber sie hat es nicht gewagt, nicht einmal als Übung. Aber es wäre die Lösung gewesen, denn dann wäre der Vater in Bedrängnis gekommen. dann wären Schuld und Angst wieder dort, wo sie sein müßten, und sie wäre frei. Aber es wäre ein demütiger Vollzug. Sie hätte keine Größe mehr außer der eigenen und hätte nur noch ihr eigenes Gewicht.  Doch bei solchen Schicksalen hat das Kind selten den Mut und die Kraft zu diesem Vollzug. Dann muß ein Außenstehender dem Schisal sienen lauf lassen. Denn wenn da jemand eingreifen wollte, würde er sich ja genauso verhalten wie dieses Kind. Er würde etwas auf sich nehmen, was er nicht kann und nicht darf.

Leiden ist leichter als lösen

Im Buch Ordnungen der Liebe von Bert Hellinger steht:

Ich heiße Ute. Ich habe vor 18 Monaten ganz plötzlich einen Bandscheibenvorfall bekommen und seitdem durchgehend Rückenschmerzen. Ich kann mich trotz meiner Therapeutischen Arbeit schlecht abgrenzen, und ich denke, dass ich nach wie vor von einem meiner Eltern nicht geliebt bin. Das mache ich auch daran fest, dass ich seit fünfzehn Jahren teilweise sehr intensive, aber nicht anhaltende Beziehungen habe.

Bert hellinger: Rückenschmerzen haben - psychologisch gesehen - immer die gleiche ursache, und sie werden ganz einfach geheilt: durch tiefe Verneigung. Vor wen muss sie sein?

Ute: Verneigung?

bert hellinger: Ja, eine Verneigung. Schau wie du dasitzt. Das ist genau das Gegenteil von einer Verneigung. Die Verneigung geht so, bis auf den Boden. Wahrscheinlich ist sie fällig vor der Mutter. Umgesetzt in einen inneren Satz, sagt du durch eine solche Verneigung: "ich gebe Dir die Ehre". Das ist ein merkwürdiger Satz: Er löst gleichzeitig.

Ute: Es gibt einen Teil in mir, der sich verneigen könnte, aber ich glaube nicht tief genug.

Bert Hellinger: Wenn, dann bis auf den Boden. Doch die Rückenschmerzen sind einfacher als diese Verneigung. Leiden ist für Dich leichter als handeln. Deswegen braucht man Dich nicht zu bedauern.

Ute: Also ich würde gerne, aber ich merke, ich habe noch Groll.

Bert Hellinger zur Gruppe: Es ist ein großer Irrtum zu meinen, dass Klienten ihre Probleme loswerden wollen. Oft wollen sie Ihre Probleme nur bestätigt haben, und das war ein anschauliches Beispiel dafür.

Die demütige Lösung tut weh

Im Buch Ordnungen der Liebe von Bert Hellinger steht auf Seite 69:

Ich bin Leo. Ich arbeite seit sechsehn Jahren als Psychiater und Psychotherapeut. Mit meiner Arbeit bin ich vollkommen zufrieden. Mit meiner Herrkunfstfamilie überhaupt nicht. In meiner Beziehung lebe ich sehr glücklich mit zwei Kindern, die sechs und neun Jahre alt sind, aber mit meinem Eltern habe ich das berechtigte Gefühl, dass ich da noch zwei Kinder dazu habe. Mein vater hat so etwas wie einen frühzeitigen Abbau.

Bert Hellinger: Ganz schön hochmütig, wie du redest.

Leo: bin ich auch.

Bert Hellinger: Man sieht es sofort.

Leo: Wobei ich manchmal nicht weiß, in wie weit ich da auch von meiner Familie dazu gebracht werde. Also meine Eltern sind zerstritten, seit ich sie wahrnehme. wobei sie das Wort "zerstritten" schon gar nicht zulassen würden. Sie haben sich irgendwann gemocht, aber seit ich sie wahrnehme, bin ich der Vermittler zwischen Ihnen gewesen.

Bert Hellinger: Du willst mich jetzt dazu verführen, dass ich auf deine Deutung eingehe und deine Sicht übernehme. Wenn deine Deutung richtig wäre, wäre das problem gelöst. dass es noch nicht gelöst ist, zeigt, dass deine Deutung falsch ist. Je weiter sich so eine Deutung von der Wirklichkeit entfernt, desto öfter muss man sie sich vorsagen. Sonst würde sie durch die Wahrnehmung erschüttert. Also was willst du jetzt machen? Willst du die Lösung?

zur Gruppe: Habt ihr seinen Gesichtsausdruck gesehen? Er will die Lösung nicht. Daher gebe ich jetzt auch nicht darauf ein.

Die Lösung tut weh. Auch die gute Lösung tut weh; denn die gute Lösung ist demütig. Das ist das Hindernis. Bist du mir jetzt böse?

Leo: In meiner Familie ist man dann beleidigt, aber ich weiß, dass es das auch nicht bringen würde. Das mit meinen Eltern ist mir ein Anliegen, weil sich das sehr zugespitzt hat. Ich bin auch zäh und gebe da nicht auf.

Bert Hellinger: Sehr gut. Einverstanden.

über Neurosen

Im Buch Ordnungen der Liebe von Bert Hellinger steht auf Seite 70 - 73:

Die Neurose als Folge einer unterbrochenen Hinbewegung, und wie die Hinbewegung wieder aufgenommen und ans Ziel gebracht wird.

Ich heiße Johann. Ich habe eine abgeschlosse Ausbildung als Lehrer, arbeite aber seit Jahren als Umweltpädagoge und als Gartenberater, lege also auch Gärten an. Ich möchte an Körpersymtomen arbeiten, die mich dauern begleiten, Ich habe Verspannungen in den Schultern, teilweise auch Kopfschmerzen und im Bauchbereich ein Druckgefühl.

Bert Hellinger: Das im Kopf könnte die Folge von angestauter Liebe sein, angestaut, weil eine frühere Hinbewegung unterbrochen wurde. Sie geht in der Regel zur Mutter. So einen Eindruck machst du auch, wenn ich dein gesicht ansehe: wie jemand, bei dem eine frühe Hinbewegung unterbrochen wurde. Warst du im Krankenhaus als Kind?

Johann: Ich war zweimal im Krankenhaus. Einmal wegen einer Operation - das war schon relativ früh - und dann später wegen Mumps.

Bert Hellinger: Das würde so etwas erklären. Hier wurde eine Hinbewegung unterbochen, und an dem Punkt gibt es dann Gefühle von Verzweiflung, von Trauer, sehr häufig von Wut, und die resignierte Einsicht "Es hilft doch nichts".

Damit das wieder gut werden kann, muss man zurück in diese Situation und die unterbrochene Hinbewegung nachträgöich ans Ziel bringen. Man kann das über Hypnosetherapie machen oder über die Festhaltetherapie. Ist das für dich ein Begriff, Festhaltetherapie?

Johann: Ich habe den Namen gehört.

Bert Hellinger: Das kannst Du auch mit Erwachsenen machen, aber so, das du zurückgehst in die Kindheit, wieder fühlst wie das Kind von damals, und dass auch der Therapeut oder die Therapeutin wird wie die Mutter von damals. Beide gehen zurück in diese Situation, und dann wird die Unterbrechung durch festhalren nachträglich ans Ziel gebracht.

Johann: Das heißt, der Fluß meines eigenen Gebens und Sichhinwendens ist unterbrochen worden?

Bert Hellinger: Gebau. Die Hinbewegung zur Mutter wurde unterbrochen. Wenn nun jemand, bei dem eine frühe Hinbewegung so unterbrochen wurde, später auf einen anderen zugeht, zum Beispiel auf einen Partner, kommt die erinnerung an die Unterbrechung wieder hoch, und sei es unbewußt im Körper. An der gleichen Stelle, an der er damals die Hinbewegung unterbrach, unterbricht er sie wieder. Statt dass er die Hinbewegung ans Ziel bringt, weicht er aus und beginnt eine Kreisbewegung, weg vom Punkt, an dem er die Bewegung unterbrach, und dorthin wieder zurück. Damit habe ich dir eine Beschreibung der Neurose gegeben. Die Neurose entsteht an dem Punkt, an dem eine Hinbewegung unterbrochen wurde, undneurotisches Verhalten ist nichts anderes als eine solche Kreisbewegung.

Mit der Beschreibung des problems habe ich Dir auch die Lösung gezeigt: denn eine gute Beschreibung enthält schon die Lösung. Doch die Lösung macht Angst. Wenn jemand die unterbrochene Hinbewegung ans Ziel bringt, tut dies sehr weh. Es ist das schmerzlichste Erleben überhaupt, weil es verbunden ist mit einem Gefühl von Ohnmacht, von ganz teifer Ohnmacht.

Johann: Meine Schwester hat mir erzählt, dass meine Eltern mich im Krankenhaus besuchen wollten, aber sie durften nicht zu mir hin. Sie durften nur von weitem schauen und müssen unheimlich geweint haben. Aber ich habe kein konkretes Bild davon.

Bert Hellinger: Ein konkretes Bild haben wir jetzt. Wenn wir dich anschauen, sehen wir genau dein Alter und wie schlecht es dir gegangen ist. Nimm deinen Stuhl, und setze dich vor mich hin, ganz nah!

(Johann nimmt seinen Stuhl und setzt sich vor Bert Hellinger. Dieser zieht ihm den Kopf, der in den Nacken geworrfen war, sachte nach vorne zu einer Verneigung.)

Bert Hellinger zur Gruppe: Hier im Nacken war der Energiefluß unterbrochen und jetzt kann er fließen.

(zu Johann): Mache die Augen zu, atme tief, und gehe zurück, weit zurück in die Kindheit.

Tief atmen. Wiederstehe der Schwäche, und geh in die Kraft. Weiter so, kraftvoll atmen. Jetzt sag mal: "Bitte!"

Johann: Bitte!

Bert Hellinger: Laut.

Johann: Bitte!

Bert HEllinger: lauter.

Johann: Bitte!

Bert Hellinger: Ja, weiter so, noch lauter.

Johann: Bitte!

Bert Hellinger: Ja, weiter so, noch lauter.

Johann: Bitte!

Bert Hellinger: Gut, weiter so.

Johann: Bitte! Bitte!

Bert Hellinger: Strecke die Arme dabei aus! Du kannst mich ruhig unfassen. "Bitte".

Johann: Bitte...!

Bert Hellinger: Wie hast Du deine Mutter angeredet?

Johann: Mutti.

Bert Hellinger: Sag: Mutti, bitte!

Johann:Mutti, bitte!

Bert Hellinger: Bitte, Mutti!

Johann: Bitte, Mutti!

Bert Hellinger: Bitte!

Johann: Bitte!

Bert Hellinger: sag es drängend.

Johann: Bitte Mutti!

Bert Hellinger: laut.

Johann: Bitte!

Bert Hellinger: Mit voller Kraft.

Johann: Bitte! Bitte!

Bert Hellinger: Und jetzt sag es ganz ruhig: Bitte, Mutti.

Johann: Bitte, Mutti.

(Johann öffnet die Augen)

Bert Hellinger: Hallo, wie geht es dir jetzt?

Johann: Gut.

Bert Hellinger: Siehst du, wie schlimm es dem Kind gegangen ist? das war verzweifelt. Aber man kann das Verlorene nachholen. Bei dieser Übung ist das Einatmen in - sich - hineinnehmen, und das Ausatmen ist die Hinbewegung. Auch die Verneigung ist eine Hinbewegung. - Okay, das war 's.

 

 

Hellinger, Bert: Buch: Vom Himmel, der krank macht, und der Erde, die heilt: Der andere Weg der religiösen Erfahrung

Nach Auffassung des international bekannten Therapeuten und Begründer der Familienaufstellung, Bert Hellinger, werden Krankheiten und Schicksale in Familien oft unbewusst übernommen. Dabei spielt es keine Rolle, in welcher Beziehung die Personen zueinander stehen. (...)

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